Das „Wandern ist des Müllers Lust“ schrieb bereits 1821 der deutsche Dichter Wilhelm Müller. Österreich ist bekannt für seine Bergwelt und lädt nicht nur zum alpinen Skivergnügen, sondern auch zum Wandern ein. Mein heutiges Ziel ist der Gipfel des Grießenkarecks auf 1.991 Höhenmeter. Warum mich auf der Strecke Babys überholen, ich von Kühen verfolgt werde und in die Fußstapfen von Olympiasieger, Weltcupsieger und Weltmeister Hermann Maier trete, das erlebe ich im schönen Flachau.

Aussicht vom Gipfel des Grießenkareck

Aussicht vom Gipfel des Grießenkareck.

Meine erste Station führt mich zum Sport- und Aktivzentrum im Flachauer Ortszentrum. Tourismus Direktor Andreas Fischbacher begrüßt mich in kurzer Lederhosentracht und drückt mir einen Karton in die Hände. „Das sind Wanderschuhe. Für unsere Events gibt’s einen Gratis-Verleih.“ Ein toller Service wie ich finde.

Gut ausgerüstet und noch frohen Mutes begebe ich mich in Richtung des Berges. 250 wanderfreudige Österreicher stürmen an mir vorbei. Angeführt wird die Truppe von keinem geringeren als Hermann Maier, der mit 54 gewonnenen Weltcuprennen zum zweiterfolgreichsten Skirennläufer der Weltcupgeschichte zählt. „Es ist bereits die zweite ‚Hermann Maier Wandertour‘. Ziel ist der Gipfel des Flachauer Hausberges Grießenkareck“, sagt Fischbacher.

Grießenkareck

Ehrführchtig blicke ich zum Grießenkareck.

Eine Steigung von 20 Prozent macht mir zu schaffen

Wäre doch gelacht, wenn ich nicht in die Fußstapfen von Hermann Maier treten könnte – zumindest auf dem Weg zum Gipfel. Doch schon nach den ersten Metern kämpfe ich mit den ersten Ermüdungserscheinungen. Eine Steigung von 20 Prozent macht mir zu schaffen. Da hilft nur Zähne zusammen beißen und weiter.

„Auf halber Strecke liegt eine Versorgungsstätte. Bei der gibt es Kaiserschmarrn und Muas“, ruft mir Livia Borsoi entgegen, die auf ihrem Rücken ihr 21 Monate altes Baby trägt und zügig mit ihrem Lebenspartner Dieter Gotsbacher an mir vorbeizieht. Als große Hermann Maier Fans lassen sie sich diese Tour natürlich nicht entgehen.

Ist mein lautes Schnaufen ein Lockruf für Kühe?

Die ersten Kühe, die ich auf dem Weg sehe, werden auf mich aufmerksam und scheinen mich als Wanderneuling zu identifizieren. Zumindest scheint es so. Mein lautes Schnaufen kann ich mittlerweile nicht mehr unterdrücken und sende damit offensichtlich eine Art Lockruf an die Kühe. Denn hinter mir bildet sich eine “Kuh-Kolonne”, die mich bis zur ersten Etappe auf Höhe der Gedenkkreuze begleitet.

Hermann Maier beim Kochen

Hermann Maier hilft Kamel Jakob beim Kochen von “Muas”.

Hier treffe ich auf Hermann Maier. „Es gibt nichts herrlicheres als in den Bergen unterwegs zu sein. Wandern bedeutet für mich Einsamkeit, Ruhe und ein Ausgleich zum Alltag“, sagt der „Herminator“ und scheint von dem zurückgelegten Anstieg überhaupt nicht kaputt zu sein.

Unter dem Motto „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“ werden an der Verpflegungsstation am offenen Feuer die regionalen Spezialitäten „Muas“ und „Kaiserschmarrn“ zubereitet. „Als Kind war mir Muas immer zu trocken, so dass ich immer die Kirschen rausgepickt habe. Mit Kaiserschmarrn bin ich aufgewachsen. Das Zubereiten überlasse ich aber lieber meiner Frau. Ich bin eher für andere Sachen geeignet“, lacht Maier und schaufelt sich noch eine Portion in sich hinein. Bergluft macht hungrig… So gern ich auch länger mit dem „Herminator“ plaudern würde- das Etappenziel ruft.

Mittlerweile beträgt die Steigung rund 45 Prozent und ich klebe wie ein platter Käfer an der Felswand. In Zeitlupe bewege ich mich schnaufend nach oben. Ein Wanderer kommentiert belustigt mein unbeholfenes Treiben: „Ein schöner Spaziergang, gell?“ Irgendwie ist mir gerade nicht nach Smalltalk. Am Ende des Tages erreiche ich den lang ersehnten Gipfel des Grießenkareck und werde mit einem wunderschönen Panorama belohnt.

Mein Fazit

Diese Wandertour ist ein Erlebnis wert. Bewegung in purer Natur gepaart mit frischer Höhenluft und einzigartigen Aussichtspunkten. Ob jung oder alt, diesen Gipfelsieg sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Aus Richtung (A8) München oder (A1) Wien kommend, 70 km südlich von Salzburg.
Tourismusverband Flachau Hermann-Maier-Platz 1 5542 Flachau, Österreich Tel. +43(0)6457/2214 Fax: +43(0)6457/2214-16 E-Mail: [email protected] http://www.flachau.com/
Das 4 Sterne Hotel Hartl liegt unmittelbar im Ortszentrum und bietet eine exzellente Küche http://www.hotelhartl.at
http://www.flachau.com/de/sommer/hermann-maier/wandertag.html

Hinweis: Die Autorin wurde vom Tourismusverband Flachau zu diesem Event eingeladen.