Im Schatten des Grünen Hügels glänzt das leider viel zu unbekannte barocke Bayreuth der Markgräfin Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth. 1731 war die Lieblingsschwester des Preußenkönigs Friedrich I. in die Provinz verheiratet worden. Das nach ihren Wünschen erbaute Markgräfliche Opernhaus ist Weltkulturerbe. Das Gartenkunst-Ensemble Eremitage leuchtet in feenhaftem Glanz.
Der Neptun-Brunnen im Park von Schloss Fantaisie Donndorf, fünf Kilometer vor den Toren von Bayreuth. Dort befindet sich auch Deutschlands erstes Gartenkunstmuseum.
Bayreuth – Wen interessiert schon noch das äußerlich eher einem Fabrikgebäude ähnelnde Festspielhaus an Bayreuths Grünem Hügel – außer eingefleischte Wagnerianer natürlich – wenn er das hochbarocke markgräfliche Opernhaus in Bayreuth, die Eremitage mit ihren Schlössern und Wasserspielen und das neue Stadtschloss besichtigt hat? Markgräfin Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth (1709-1758), Lieblingsschwester des Preußenkönigs Friedrich der Große (1712-1786), hat mit ihrer Gestaltungs- und Willenskraft im 18. Jahrhundert die kleine fränkische Residenz ins Rampenlicht der europäischen Geschichte gerückt.
Markgräfin Wilhelmine prägt Bayreuth
Stadtführerin Ingrid Eggers zeigt uns einen Tag lang Ihre Stadt. Ihre Begeisterung für die kunstsinnige Markgräfin, die mit Graf Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth (1711-1763) verheiratet und mit Voltaire (1694-1778) befreundet war, überträgt sich auf jeden, der ihr zuhört. Wilhelmine, die ins provinzielle Bayreuth verheiratet worden war, hat nicht nur selber Theater gespielt und Stücke geschrieben, sie hat auch ein grandioses Opernhaus und ein einzigartiges Ensemble von Schlössern und Gartenkunstanlagen hinterlassen. Weite Landschaftsgärten durchziehen dank der Markgräfin Bayreuth.
Wasserkaskaden durchziehen die Eremitage
Gartenkunstensemble Eremitage
Etwas verspielter ist der Garten der 46 Hektar großen Eremitage, ein Gartenkunstensemble vor den Toren der Stadt. Die Eremitage verbindet die Elemente barocker Gartenkunst mit englischer Landschaftsarchitektur, ist durchzogen von Kaskaden, Statuen, Wasserspielen und Ruinen-Theater. Dort befindet sich auch das alte Schloss Eremitage, das die preußische Prinzessin vergrößern ließ, u.a. um ein Chinesisches Spiegelkabinett mit zerbrochenen Spiegeln, in dem sie nach zehn Jahren Ehe mit gebrochenem Herzen ihre Memoiren schrieb.
Die Eremitage erhielt Wilhelmine von ihrem Mann als Geschenk. Von der Anlage fasziniert, ließ sie sie nach ihren Vorstellungen umgestalten und ein neues Schloss Eremitage mit zentralem Sonnentempel und halbkreisförmiger Orangerie errichten. Kristall- und Glassfluss-Steinchen lassen die Anlage im Sonnenlicht schimmern oder bei angestrahlten Wasserspielen feenhaft leuchten. Friedrich der Große schrieb seiner Schwester: „Für mein Vergnügen war ich 100 Jahre zu wenig in Bayreuth, für meine Geschäfte 100 Jahre zu viel.“
Rokoko-Kunstwerk Palmenzimmer
Nach einem Brand im alten Stadtschloss ließ Markgraf Friedrich das neue Stadtschloss errichten, umgeben vom umgestalteten Hofgarten zum Park „nach englischer Art“ – ebenfalls stark beeinflusst von Wilhelmines Vorstellungen. Besonders beeindruckend ist das Spiegelscherben-Kabinett, der Salon mit Golddecke und das Japanische Zimmer. Das größte Raumkunstwerk des Bayreuther Rokoko ist wohl das Palmenzimmer mit vergoldeten Palmwedeln, die in den Himmel zu ragen scheinen.
Das Markgräfliche Opernhaus von innen. Zurzeit wird es renoviert. Foto: Franken-Tourismus
Weltkulturerbe Markgräfliches Opernhaus
Als Richard Wagner 1871 das erste Mal nach Bayreuth kam, war das markgräfliche Opernhaus bereits 125 Jahre alt. Nach Wilhelmines Wünschen von italienischen Baumeistern errichtet, galt es als eines der schönsten und größten Europas. Schon beim ersten Besuch stellten Wagner (1813-1883) und seine Frau Cosima (1837-1930) jedoch fest, dass es mit seiner spätbarocken Ausstattung, „mit dem Apoll und den Musen im Deckengemälde“ für den „Ring des Nibelungen“ nicht den adäquaten Rahmen böte. Es war ihm zu plüschig, die Menschen sollten nur auf seine Musik hören.
Weil Bayreuth dem Ehepaar gut gefiel, und um in der Nähe seines Geldgebers, König Ludwig II. von Bayern, zu sein, zog Wagner mit Familie zunächst ins Hotel Fantaisie und später ins Haus Wahnfried, nahe dem Hofgarten. Für die Aufführung seiner Opern ließ der Ex-Revolutionär mithilfe von Sponsoren am Grünen Hügel ein neues Festspielhaus errichten. Von der Grundsteinlegung 1872 bis zur ersten Aufführung sollten 14 Jahre vergehen.
Wilhelmines markgräfliches Opernhaus gilt noch heute als schönstes, erhaltenes Barocktheater Europas. 2012 wurde es als Weltkulturerbe der Unesco anerkannt. Zurzeit wird es umfassend renoviert.
Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung von Franken-Tourismus
