Was verbindet Treibholz mit Kräutern? Was macht eine nackte Frau auf der Alm? Und wie passt Acryl-Malerei mit traditionellen Volksliedern zusammen? Meine Reise führt diesmal nach Salzburg – genauer gesagt in die Region Altenmarkt-Zauchensee. Dieses Gebiet inmitten des SalzburgerLands beherbergt Österreichs größtes Skigebiet mit rund 760 Pistenkilometern und 270 Seilbahnanlagen. Zahlreiche Erholungs- und Sportmöglichkeiten versprechen einen individuellen Urlaub.

Aber auch im Sommer ist hier Langeweile fehl am Platz. Wussten Sie zum Beispiel die Wahrheit über die Eisheilige oder den Siebenschläfer, Föhn und Schäfchenwolken? Nein? Dann sollten sie sich die 22 Stationen des fast fünf Kilometer langen Themen-Rundwegs „Bauernregeln“ sowie die 20 weiteren Wanderrouten rund um den Lackenkogel und der Steinfeldspitze nicht entgehen lassen.

Viel zu entdecken verspricht auch der 19. Bauernherbst, der kürzlich in Radstadt eröffnet wurde und zahlreiche Veranstaltungen rund um Salzburg bietet. Unter dem Motto „Hoagascht´n im Bauernherbst“ kommen hier alle alten Handwerks- und Traditionsliebhaber noch bis zum 26. Oktober 2014 auf ihre Kosten.  Wer sich lieber kreativen Ergüssen hingeben möchte, sollte sein Augenmerk auf ein ganz besonderes Projekt richten – „Natura.Kreativ“.  Dieses erhielt 2014 den Zipfer- Jurypreis für das innovativste Tourismus-Projekt und bietet unter dem Motto „Inspiration für Stimme & Hände“ zahlreiche „Impuls.Kurse“ für den Sommer.

Am Ende bin auch ich begeistert von meinen künstlerischen Werken.

Einige dieser Kurse schaue ich mir genauer an und begebe mich in die Gemeindehalle der Region Altenmarkt-Zauchensee. Unter der Anleitung von Karin Angerer und Walter Puchmayr starten die Kurse Acryl-Malerei und Skulpturenbau. Hier wird fleißig gesäbelt, geschliffen, poliert und gemalt. Als leidenschaftlicher Treibholzsammler beherbergt Puchmayr sogar ein eigenes Lager für seine Naturfundstücke. „Aus jedem Urlaub bringe ich Treibholz und Steine mit“, sagt er selbst über seine Leidenschaft. „Alles was ich in die senkrechte Position bringen kann fasziniert mich“. Die Vision, stehende Kunstwerke aus Treibholz-Steinverbindungen zu kreieren, hat Puchmayr mittlerweile perfektionieren können. Inzwischen  verdient er mit seinen Ausstellungsstücken bis zu 1. 500 Euro pro Skulptur.

Mit dem Zeichenstift in der Hand geht es weiter auf eine Wandertour mit Maler Alexander Mitterlechner. Sein Kurs „Wandern & Zeichnen“ führt quer durch die Wanderwege Altenmarkt-Zauchensees. An ausgewählten Zwischenstationen werden mit Pinselstrichen Naturelemente eingefangen und mit seinen Tipps die eigenen Werke realistisch oder abstrakt verfeinert. Soviel Kreativität macht mich hungrig und bringt mich auf die „Reitlehenalm“ in Altenmarkt. So sehr ich den Anblick der schmackhaften Brettljause genieße,  irritiert mich der Anblick einer nackten Frau im selbigen Raum. Mitterlechner lehrt hier den Kurs Aktmalerei. Während die Teilnehmer die lebende Muse zeichnend zu Papier bringen, fasziniert mich ihre minutenlange Regungslosigkeit. „Ich mache Yoga“, verrät das Aktmodel ohne mit der Wimper zu zucken.

Katharina Schmidt

Katharina Schmidt ist Praktikerin für traditionelle europäische Heilkunde und züchtet für ihre selbtgebrauten Tinktürchen Rosen- und Meisterwurz, Gänsefingerkraut, Käsepappel oder indianischer Frauenbeifuß.

Der nächste „Natura.Kreativ“-Kurs auf meinem Weg lautet: die „natürliche Hausapotheke“. Jeder hat ja irgendwie seine eigenen Hausmittelchen für Wehwehchen, doch was mich bei Katharina Schmidt erwartet, lässt den Alchimisten in mir erwachen. Sie ist Praktikerin für traditionelle europäische Heilkunde und züchtet für ihre selbtgebrauten Tinktürchen Rosen- und Meisterwurz, Gänsefingerkraut, Käsepappel oder indianischer Frauenbeifuß.  „Welches Kraut hast du draußen und was machst du damit?“ fragt mich Katharina. „Alles was du für deine Gesundheit brauchst wächst vor deiner Haustür.“

Katharina Schmidt kennt jedes einzelne Kraut

Während sie stolz die Königin unter den Heilpflanzen (Königskerze) begutachtet, erzählt sie mir von deren beruhigenden Wirkung im Tee. Allein ihr majestätischer Anblick löst einen gewissen Trancezustand aus, könnte aber auch am wucherndem Mutterkraut mit hormonregulierender Wirkung liegen, das genau daneben wächst. Katharina Schmidt scheint jedes einzelne Kraut und deren speziellen Heilwirkungen zu kennen. Je nach Bedarf werden die Kräuter zu Balsam, Tinktur oder Tee verarbeitet und im Nebenraum gelagert. „Gegen jedes Leid ist ein Kraut gewachsen“, so ihr Motto. „Als wichtigste Zutat bei jeder Verarbeitung dürfe jedoch die gute Seele und noch weniger die guten Gedanken fehlen“, so Schmidt weiter und wirft diese mit einer typischen Handbewegung symbolisch in den Topf.

Von den aufsteigenden Dämpfen angeheitert schwinge ich später beim traditionellen Tennenfest ungelenk mein Tanzbein. Schräg und lauthals jodelnd verlasse ich schließlich die Region Altenmarkt-Zauchensee wieder. Wie heißt doch der Spruch: „Kunst ist ein Kräutlein, nicht für alle Leutlein…“ oder einer der eher für mich zutrifft: „Unkraut vergeht nicht!“

Hinweis: Diese Reise fand auf Einladung von Altenmarkt-Zauchensee Tourismus und SalzburgerLand Tourismus GmbH statt. Herzlichen Dank!