Jonathan Vaughters ist begeistert von Mallorca: „Hier ist tolles Wetter, wenig Verkehr, es gibt Berge, flache Strecken und das Meer.“ Sein Interesse ist jedoch nicht touristisch. Vaughters ist Chef des Radsportteams „Cannondale-Garmin Pro Cycling“. Zur Vorbereitung auf die kommende Saison hat er sich mit seinen gut 80 Mitarbeitern in Alcudia niedergelassen. Auf Mallorca sollen die Grundsteine für die Rennen der Saison gelegt werden; vom „Giro d’Italia“ bis zur „Tour de France“.
Auf Mallorca finden Radsportler ideale Trainingsbedingungen vor. Bis Ende April kommen rund 100.000 Radfahrer auf die Insel. (Fotos: Honza Klein)
Bereits am BBQ-Büffet zur Mittagszeit wird deutlich, dass der Sport viele Entbehrungen kennt. Es gibt zwei Büffets: Eins ist extra für Techniker und Crew gekennzeichnet. Burger, Steaks oder auch süße Desserts sind für die Fahrer tabu. „Ich habe mich daran gewöhnt“, sagt der 22jährige Ruben Zepunkte, der zum Team von Vaughters gehört. „Mein Ziel ist, der ‚Tour de France’ am Ende die Champs Elysees zu befahren.“ Deshalb sitzt er bis zu sechs Stunden täglich auf dem Rad. Dazu kommen weitere Trainingsstunden und Teambesprechungen. Radprofi zu sein, ist ein Vollzeitjob. „Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal feiern war“, schmunzelt Zepuntke. „Und wenn, dann nur mit Apfelschorle.“
100.000 Radfahrer kommen bis Ende April
Honza Klein auf dem Rad.
Ganz so hart und enthaltsam werden es wohl die bis zu 100.000 Radsportler, die gerade in den ersten vier Monaten des Jahres auf die Insel kommen, nicht angehen lassen. Wird doch Mallorca in den letzten Jahren mehr und mehr zum Dorado der mehr oder minder ambitionierten Freizeitradler. Nicht zuletzt deswegen, wie Jonathan Vaughters die Vorteile der Insel zu Beginn beschrieben hat. Hinzu kommt aber auch, dass inzwischen etliche Reiseveranstalter und Hotelbetreiber dem Trend folgen oder ihn sogar fördern. „Für uns ist diese Zielgruppe gerade außerhalb der Hauptsaison ein wichtiger Punkt geworden“, sagt Stefan Suska, Pressechef von „alltours“. „Wir arbeiten mit örtlichen Radsportanbietern zusammen und bieten ihnen Möglichkeiten, in unseren allsun-Häusern Stationen zu betreiben.“
So etwa auch direkt an der „Playa de Palma“ im Hotel „Pil-Lari Playa“. Dort gibt es so eine Ausleih- und Service Station. „Unseren Gästen ist es wichtig, dass ihre Räder gut unter gestellt sind und dass im Bedarfsfall auch mal ein Techniker da ist“, sagt Uwe Prein von „Balear-Reisen“, die diese Station betreiben. Ein lukratives Geschäft ist es allemal: Immer weniger Gäste bringen ihr eigenes Rad mit. Zwischen 25 bis 75 Euro kostet der Radtransport mit der Airline von Deutschland nach Palma de Mallorca. Die Ausleihe eines guten Rades kostet auf der Insel zwischen 30 bis 170 Euro pro Woche, abhängig davon, ob es ein einfaches Tourenrad oder eine Profimaschine ist. Die technische Wartung ist im Preis enthalten. Dazu kommen noch Trikots, Trinkflaschen, Karten und – für den Notfall – die Telefonnummer für die Abholung, wenn man sich dann doch überschätzt hat.
Auch das Radsportteam „Cannondale-Garmin Pro Cycling“ nutzt die Bedingungen, um sich auf der Insel auf die kommende Saison vorzubereiten.
Optimale Trainingsbedingungen auf Mallorca
Bis in den April hinein kann man überall auf der Insel tausende Radler entdecken. Die noch wenigen Mietwagen und die nicht so heißen Temperaturen sorgen für optimale Trainingsbedingungen. Und wer beim Radfahren noch keinen Tunnelblick hat, findet auf den Touren immer wieder schöne Ausblicke auf die Landschaft und kleine versteckte Dörfer, die man ohne Rad vielleicht gar nicht entdecken würde. Außerdem muss man als Nichtprofi den leiblichen Genüssen ja vielleicht auch nicht ganz so wiederstehen. Schließlich gibt es auf der Insel auch einige Winzer und hervorragende Restaurants.
Zum Schluss noch ein Tipp von Andreas Klier, dem sportlichen Leiter des „Cannondale-Garmin Teams“: „Das Wichtigste ist, sich nicht zu überschätzen. Mit zehn bis 20 Kilometer starten und wenn das gut klappt, kann man sich ja immer noch steigern.“
Das Ziel dieser Reise…
Hinweis: Der Autor wurde von alltours zu dieser Reise eingeladen. In diesem Zusammenhang wird auf die Leitlinie der journalistischen Unabhängigkeit bei BREITENGRAD53 hingewiesen.

