Tulpen, Windmühlen, Radfahrer, Holzschuhe und Käse – das sind wohl die ersten Assoziationen in Verbindung mit den Niederlanden. Doch das Land hat weit mehr zu bieten, als eine schöne Blumenpracht mit einer lächelnden Frau Antje. Papier aus Elefantenkot zum Beispiel oder königliche Erzeugnisse einer Mühle, Winzer mit „emotionalen“ Weinen und allem voran die tierische Vorspeise: Entenlebermouse, Wildschwein-Proscuitto und Rehsalami – herzlich willkommen in den Niederlanden.

Merkwürdiges stampfen und knirschen dringt aus einem alten Gebäude, Dampf benebelt die Sicht und weiße Blätter flattern hektisch im Wind. Die Geräusche stammen von der „Papierfabrik de Middelste Molen“- der mittleren Mühle in Loenen. Sie ist die einzige Mühle in den Niederlanden, die sich seit 1622 noch im Originalzustand befindet. Eine Reise in die Vergangenheit beginnt. „Genau wie vor fast 400 Jahren funktioniert hier die Produktion des Papiers per Wasser- und Dampftechnik“, erklärt Mühlenguide Dick Kool.

In der

In der „Papierfabrik de Mideelste Molen“ wird Papier noch in Handarbeit hergestellt – und mit Elefantenkot.

Bis 1960 produzierte die Fabrik alle Arten von Papier. Am Ende wurde dem Druck der Industrialisierung nachgeben und der Betrieb 1969 eingestellt. „Heute gehört die Mühle zu einer Stiftung“, erklärt Kool. „Wir produzieren zwar noch, messen uns aber nicht mit der modernen Papierindustrie. Dafür schätzen wir aber unsere besonders gute Qualität“, bemerkt Kool grinsend. So werden zum Beispiel alte Geldscheine zu Blättern verarbeitet und – wer hätte das gedacht – Elefantenkot. “Der kommt von den Elefanten aus dem königlichen ,Burgers’ Zoo“, schmunzelt Dick Kool über die gewöhnungsbedürftige Papierzubereitung. Während früher Lumpen zu Papier verarbeitet wurden, bereichern heutzutage adelige Elefantenexkremente den Schreibbedarf. Also lieber nicht am Papier riechen. Zu Lebzeiten wäre König Wilhelm III auf seinem Königsschloss Het Loo sicherlich „amused“.

Das schlossreichste Dorf der Niederlande

Der Palast in Apeldorn wurde 1685 auf den königlichen Ländereien erbaut und ist seit 1984 ein Museum. Ein Blick in die 300 Jahre lang bewohnten Räume und ein Spaziergang durch die Gärten „Palais Het Loo’s“ lassen die Besucher ins 17.Jahrhundert eintauchen. Und auch die Stadt Vorden, die zur Gemeinde Bronckhorst zählt, darf sich das „schlossreichste Dorf der Niederlande“ nennen. Ganze acht Herrschaftsgemäuer erheben sich etwa zehn Kilometer südöstlich von Zutphen.

Wer es eher naturell mag, der ist im Naturschutzgebiet Veluwe bestens aufgeboben. 5.400 Hektar  Wälder, Seen, Treibsand, Moor, Sanddünen und verschiedene Arten von Flora und Fauna lassen sich dort erforschen. In der fast unberührten Natur sagen sich Hirsche und Wildschweine noch gute Nacht, wenn sie denn nicht vorher zu Wildschwein-Proscuitto oder Rehsalamie verarbeitet werden. Eine Delikatesse hier in der Gegend.

In der Grenzregion, die sich mitten im Nationalpark „De Hoge Veluwe“ befindet, sollte auf jeden Fall ein Besuch am „Kröller Müller Museum“ eingeplant werden. Es ist ein Kunstmuseum mit einer weltberühmten Sammlung: 87 Gemälde von Vincent van Gogh sind dort zu sehen und umfasst damit die zweitgrößte Van-Gogh-Sammlung der Welt, nach dem Museum in Amsterdam.

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Bier aus eigener Herstellung gibt’s bei Dani Levy in der Brauerei „De Schavuyt“.

Wer sich alle Gemälde im Museum angesehen hat, sollte danach direkt mit einem Bier aus der Brauerei „De Schavuyt“ in Apeldoorn anstoßen. Das Bier wird in der Herstellung weder gefiltert noch pasteurisiert und behält somit das vollständige Aroma. Mittlerweile werden wöchentlich etwa 3.000 Liter in „Veluwe Schavuyt“ produziert, die Sorten sind übersichtlich: „Bernstein“ – mit einem Hauch Honig und Zucker; „Blond“- leicht malzig, fruchtig und „Tripel“- ein leicht süßlicher Charakter mit einem Schuss Koriander. „Eine Flasche Bier geht durch sieben verschiedene Hände, bevor es fertig ist“, erzählt Produktionsleiter Dani Levy.

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Hat erst mit 61 Jahren angefangen, das Winzerhandwerk zu erlernen: Jan Jansen.

Mit 61 Jahren noch den Weinanbau gelernt

Und wer, wie Jan Jansen kein Bier trinkt, der grift zum Glas Wein.  Jansen kann seinen eigenen trinken, denn er machte sein Hobby zum Beruf und sattelte noch im späten Alter zum Weinbauer um. „Früher war ich im Pflegedienst und Bauwesen tätig, jetzt bin ich glücklich mit meinem Familienbetrieb, selbst meine Großmutter packt fleißig an“, schmunzelt Jansen. Stolz präsentiert er sein 1,5 Hektar großes Weingut. 2005 und 2006 wurde erstmalig gepflanzt. Jansen nennt „sein Baby“ liebevoll „Um d’n Olden Smid“. „Mein komplettes Wissen über den Weinbau habe ich mir damals selbst angeignet“, lacht er. „Die Kunst ist, die Blätter so zu schneiden, dass die Kraft in die Traube und nicht in den Ast geht.“

Mit Erfolg, wie man erkennen kann. Sieben trockene Rotweine, ein Rosé und ein Weißwein hat er im Programm. Er produziere mit seinen Trauben zwar nicht mehr als 4.000 Liter Wein im Jahr, bliebe dafür aber immer individuell und könne so eine gute Qualität garantieren, erzählt der Weinbauer. „Ob „Gezusters“ (Geschwister), „Verleiding“ (Versuchung) oder schlichtweg „Groetmoeder“ (Großmutter) – die Käufer kaufen das Produkt, weil sie sich auch vom Namen angesprochen fühlen“, sagt Jan Jansen, der die Weine nach seinen Verwandten benennt oder nach Emotionen, Na dann Prost.

Hinweis: Die Autorin wurde vom Niederländischen Büro für Tourismus & Convention und Regio Marketing Gelderland eingeladen.